Moderne Kunst und faschistische Politik: Ein doppelseitiges Gemälde von Giacomo Balla

CHF 80.00

Marcello Rechberger

Die Pinacoteca Agnelli in Turin präsentiert Giacomo Ballas »Velocità astratta« als Ikone der dynamischen Moderne, doch diese kuratorische Inszenierung gleicht einem historischen Versteckspiel. Marcello Rechberger deckt in seiner Monografie auf, was buchstäblich mit dem Rücken zur Wand steht: Die verborgene Rückseite der Leinwand ist untrennbar mit der faschistischen Propaganda des »Marcia su Roma« verwachsen.

Dieses Buch durchbricht die künstliche Trennung von ästhetischer Avantgarde und totalitärer Politik und zwingt den Betrachter, das Kunstwerk wieder als ganzheitliches, historisches Dokument zu lesen, dessen Wahrheit nur im Zusammenspiel beider Seiten existiert.

Die gewichtige, handwerklich kompromisslose Ausstattung des Bandes verleiht dieser notwendigen Enthüllung die physische Dauer, die ihr gebührt.

Gebundene Ausgabe
216 Seiten
erschienen am 01.08.2025

Herausgegeben von Prof. Dr. W. F. Kersten
Kunst- und Zeitgeschichte, Band: 2

978-3-03906-070-2
€ (D) 80.00 / sFr 80.00* / € (A) 82.30
* unverb. Preisempfehlung

Marcello Rechberger

Die Pinacoteca Agnelli in Turin präsentiert Giacomo Ballas »Velocità astratta« als Ikone der dynamischen Moderne, doch diese kuratorische Inszenierung gleicht einem historischen Versteckspiel. Marcello Rechberger deckt in seiner Monografie auf, was buchstäblich mit dem Rücken zur Wand steht: Die verborgene Rückseite der Leinwand ist untrennbar mit der faschistischen Propaganda des »Marcia su Roma« verwachsen.

Dieses Buch durchbricht die künstliche Trennung von ästhetischer Avantgarde und totalitärer Politik und zwingt den Betrachter, das Kunstwerk wieder als ganzheitliches, historisches Dokument zu lesen, dessen Wahrheit nur im Zusammenspiel beider Seiten existiert.

Die gewichtige, handwerklich kompromisslose Ausstattung des Bandes verleiht dieser notwendigen Enthüllung die physische Dauer, die ihr gebührt.

Gebundene Ausgabe
216 Seiten
erschienen am 01.08.2025

Herausgegeben von Prof. Dr. W. F. Kersten
Kunst- und Zeitgeschichte, Band: 2

978-3-03906-070-2
€ (D) 80.00 / sFr 80.00* / € (A) 82.30
* unverb. Preisempfehlung

  • Es gibt Kunstwerke, die ihre eigene Geschichte lügen, solange man sie nur von einer Seite betrachtet. Marcello Rechbergers Studie widmet sich einem solchen phänomenologischen Grenzfall, indem er die materielle Dualität von Giacomo Ballas Gemälde als Symptom einer verdrängten Epoche deutet. Während die Vorderseite die futuristische Obsession mit Geschwindigkeit und Abstraktion feiert, dokumentiert die verborgene Rückseite die Anbiederung an das Mussolini-Regime der 1930er Jahre.

    Diese Untersuchung, die als zweiter Band der von Wolfgang F. Kersten herausgegebenen Reihe Kunst- und Zeitgeschichte erscheint, leistet eine fast forensische Arbeit am Objekt. Sie zeigt auf, dass die Neutralisierung der Kunst im Museumssaal oft einer politischen Amnesie gleichkommt. Rechberger begnügt sich nicht mit einer formalen Analyse, sondern rekonstruiert die Provenienz und die strategischen Wendungen Ballas, der sich zwischen Avantgarde und Opportunismus bewegte.

    Das Buch argumentiert gegen die bequeme Illusion einer reinen Moderne und fordert Kunstgeschichte, die auch die schmerzhaften Narben ihrer Objekte freilegt. Es ist ein Plädoyer für das tiefe Verstehen jener Verflechtungen, die heute oft hinter weißen Museumswänden verschwinden. Wer diesen Band liest, wird die glatten Oberflächen des Futurismus nicht mehr ohne das Wissen um ihre dunkle Grundierung betrachten können.