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Wer Regionalgeschichte nur als Aneinanderreihung lokaler Ereignisse versteht, unterschätzt die komplexen Netzwerke, die das alteuropäische Gefüge zusammenhielten. Walther J. Fuchs versammelt in diesem Band Beiträge, die exemplarisch aufzeigen, wie ökonomische Interessen und menschliche Bindungen eine stabile Brücke zwischen dem katholischen Gebirgstal und dem reformierten Seeufer schlugen.
Ein Glanzstück des Bandes ist Rolf De Kegels Analyse eines Pilgerberichts aus dem Jahr 1519, der tief in Frömmigkeitsgeschichte und Mentalität der Frührenaissance blicken lässt und das geistige Klima vor dem Sturm der Glaubensspaltung greifbar macht. Doch die Idylle war stets bedroht: Der verheerende Klosterbrand von 1729, detailliert untersucht von Fuchs und Pater Adalbert Vogel, markiert eine Zäsur, die das Beziehungsgeflecht auf eine harte Probe stellte, ohne es zu zerreissen.
Ergänzend dazu weitet Annina Sandmeier-Walt den Blick methodisch, indem sie das innovative «Professbuch Wiki» vorstellt und damit demonstriert, wie benediktinische Tradition im digitalen Zeitalter archiviert und zugänglich gemacht wird. Armin Eckingers Studie aus der Sicht des Landvogts Streuli erdet diese großen Linien wieder im Lokalen, bei der Zehntentrotte und dem Engelberger-Haus.
Es ist ein Buch über Resilienz, das beweist, dass pragmatische Kooperation und gegenseitiger Respekt oft langlebiger sind als dogmatische Grenzen, wie der im Buch dokumentierte Begegnungstag von 2021 eindrücklich belegt.
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Armin Eckinger
Armin Eckinger ( 1890–1955). Gebürtiger Küsnachter und langjährige Sekundarlehrer in Zürich Oberstrass. Kulturhistoriker und erster Dorfchronist von Küsnacht. Verfasser historischer Studien zu Küsnacht: Aus der Geschichte der Kirche zu Küsnacht (1923), Eine Küsnachter Wappenscheibe (1925), Dr. Ludwig Snell und das Küsnachter Memorial von 1830 (1930), Die Fresken an der Zehntentrotte in Küsnacht (1932), Zwei Becher aus dem Küsnachter Gesellenhaus (1934), Geschichte der Primarschule Küsnacht (1935), Die Beziehungen des Klosters Engelberg zu Küsnacht am Zürichsee in den Briefen der Amtmänner Streuli (1946). Entdeckte 1932 den spätgotischen Freskenzyklus unter dem bilderstürmerischen Verputz der Küsnachter Zehntentrotte. [Werner Sautter, «Zur Erinnerung an Armin Eckinger (1890-1950)», in: Küsnachter Jahreshefte, 1965, S. 18–23]
Dr. Walther J. Fuchs
Masterstudium der Kunstgeschichte an den Universitäten Bern und Zürich. Promotion in Geschichte an der Universität Zürich. Forschungsaufenthalt am Multimedia-Labor des Instituts für Informatik der Universität Zürich. Wissenschaftlicher Mitarbeiter u. Ausstellungstätigkeit an der Schweizerischen Nationalbibliothek Bern (Ausstellung u. Publikation Bibliotheken Bauen- Building for Books), dem Medizinhistorischen Institut und Museum der Universität (Ausstellung Paul Klee und die Medizin) u. dem Anthropologischen Institut der Hochschule Zürich. Seit 2011 Leiter des Verlags Digiboo, Publizist u. u.a. Herausgeber des e-Journals Die Zwitscher Maschine. Journal on Paul Klee. Zeitschrift für internationale Klee-Studien. Verfasser zahlreicher wissenschaftliche Aufsätze in Fachzeitschriften. Mitglied der Kirchenpflege der Reformierten Kirche Küsnacht (ZH). Weitere Infos unter: waltherfuchs.com
Dr. Rolf De Kegel
Studium der Geschichte und der Philosophie in Bern, Fribourg und Bologna. Promotion an der Uni Bern mit einer Arbeit über das Basler Konzil. Danach Schweizer Mitarbeiter bei den Monumenta Germaniae Historica in München mit einer Edition der Jüngeren Hildesheimer Briefsammlung. Seit Herbst 1991 Stiftsarchivar des Benediktinerklosters Engelberg. Im Nebenpensum Unterricht an der Stiftsschule Engelberg. Zahlreiche Publikationen zum Thema Doppelklöster und zur Geschichte des Klosters Engelberg.
Dr. Annina Sandmeier-Walt
Dr. Annina Sandmeier-Walt. Studium der Allgemeinen Geschichte, der Englischen Literatur und der Internationalen Beziehungen an der Universität Zürich. Promotion zur Erinnerungsgeschichte des Aargauer Klosterstreits. Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt Geschichte Kloster Muri. Arbeiten im Stiftsarchiv und am Professbuch des Klosters Muri-Gries. 2018 bis 2019 Durchführen eines Oral-History-Projekts im Auftrag der Gemeinde Brütten ZH. Seit 2018 Autorin im Forschungs- und Vermittlungsprojekt Zeitgeschichte Aargau (Kantonsgeschichte Aargau). Ab 2020 Redaktorin des Professbuchs Kloster Engelberg. Derzeit Autorin für die Neue Klostergeschichte Muri. Weitere Infos unter: klostergeschichte.ch.
Pater Adalbert Vogel
P. Adalbert Vogel wurde am 18. November 1822 in Engelberg geboren und auf den Namen Karl Eugen Leodegar getauft. 1844 legte er auf den Namen Adalbert im Kloster Engelberg Profess ab, 1847 folgte die Priesterweihe. Bevor P. Adalbert 1872 das Amt des Stiftsarchivars und Kapitelsekretärs übernahm, war er von 1847 bis 1859 Lehrer an der Stiftsschule und von 1859 bis 1867 Grosskellner. Später arbeitete er an einer Edition der Engelberger Urkunden und veröffentlichte mehrere Artikel zur Geschichte des Klosters Engelberg. Zahlreiche Beiträge leistete er ausserdem für das Schweizerische Idiotikon. Unveröffentlicht blieb ein Katalog mit Biografien der Mönche von Engelberg. P. Adalbert starb am 28. Oktober 1902. Weitere Informationen unter: https://professbuch.kloster-engelberg.ch/mediawiki/index.php/Adalbert_Vogel