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Hans Aeschbach (1911–1999) entzieht sich den einfachen Kategorisierungen der Kunstgeschichte, da er zeitlebens die Grenzen zwischen angewandter Grafik und freier Kunst fluid hielt. Die von Yujin Kim in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft (SIK-ISEA) herausgegebene Publikation leistet eine notwendige historiografische Korrektur, indem sie Aeschbach nicht nur als Plakatgestalter, sondern als Schöpfer eines komplexen visuellen Kosmos präsentiert.
Beiträge von Peter Vetter und Sarah Zeller verorten ihn im Kontext seiner Wegbegleiter wie Walter Binder oder Louis Conne und analysieren seine Ästhetik der »Suche nach Perfektion in der Unvollkommenheit«. Dabei wird deutlich, dass Aeschbachs Arbeit – von der Illustration bis zur Glasmalerei – stets von einem dialektischen Prinzip getrieben war: der Transformation des rigiden Rasters in lebendige Form. Das Buch dokumentiert diesen Prozess der Formfindung und zeigt auf, wie Aeschbachs Lehrtätigkeit und sein künstlerisches Schaffen sich gegenseitig befruchteten, oft im stillen Dialog mit rebellischen Schülern wie Daniel Zimmermann.
Wer dieses Werk studiert, blickt tief in die DNA der Zürcher Gestaltungstradition und entdeckt zugleich einen Künstler, der die Modernität nicht als Dogma, sondern als Spielraum für poetische Metamorphosen begriff.
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