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Otto Karl Werckmeister, geboren in Berlin und über Jahrzehnte lehrend in Los Angeles und Evanston, war eine Ausnahmeerscheinung, die sich der bequemen Einordnung stets entzog. Dass er seinen Körper der Wissenschaft an der Charité und seinen geistigen Nachlass einer kritischen Öffentlichkeit vermachte, zeugt von einer Haltung, die Leben und Werk untrennbar verknüpfte.
Dieser erste Band aus dem Nachlass, herausgegeben von Wolfgang F. Kersten, ist weit mehr als eine philologische Übung; er ist der programmatische Auftakt einer großen Aufarbeitung.
Werckmeister las Benjamin konsequent gegen den Strich der modischen Vereinnahmung. Ihm ging es darum, Adorno und Benjamin als idiosynkratische Korrektive einzusetzen, um eine materialistische Theorie für die Gegenwart zu schärfen. Wo Benjamin heilsgeschichtliche Bilder nutzte, suchte Werckmeister die theoretische Leerstelle, um sie analytisch zu füllen.
Diese Schriften sind Dokumente eines Ringens um die Autonomie des Denkens in einer Zeit der akademischen Erstarrung. Sie zeigen, wie hochaktuell Werckmeisters Ansatz geblieben ist, die gesellschaftlichen Bedingungen des intellektuellen Schaffens zu reflektieren, ohne das Individuum darin verschwinden zu lassen. Was digital über die Universitätsbibliothek Heidelberg gesichert wird, findet hier seine erste und verbindliche Form als Buch.
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